RMS hat einen zweiten Himmerod-Roman geschrieben!

Schon einmal inspirierte mich die Zisterzienserabtei Himmerod, die ich seit über fünfzehn Jahren mehrmals im Jahr und manchmal für mehrere Monate aufsuche, zu einer dunklen geheimnisvollen Geschichte. Es war der 1996 erschienen Roman Das Geheimnis der weissen Mönche, der sich auch heute noch bei meinem Publikum großer Beliebtheit erfreut, worüber ich in unserer allzu schnelllebigen Zeit, die immer schneller nach Novitäten verlangt, überaus dankbar bin.

Anstoß zu dieser schaurigen Novelle gaben mir bei meiner diesjährigen Schreibklausur zur Beendigung meines Buches Das Judas Evangelium zwei Ereignisse. Während meines Aufenthaltes wurde während der Mahlzeiten im Refektorium, wo auch heute noch strenges Schweigegebot gilt, der faszinierende Bericht des einstigen Zisterziensers Bernadin Schellenberger Die Stille atmen vorgelesen. Tag für Tag tauchten wir als Zuhörer in die Schilderung des alltäglichen Lebens dieser Ordensleute ein, wie es sich in den Klöstern noch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts abgespielt hat. Seit Jahren gut vertraut mit der Ordensregel und den klösterlichen Abläufen im Rhythmus des Stundengebetes, lernte ich dabei jedoch auch einiges Neues. Und schon am ersten Tag des Zuhörens kam mir der spontane Gedanke, daß ich dieses monastische Leben, das über neun Jahrhundert fast unverändert geblieben war (und von dem auch heute noch viel erhalten geblieben ist!) unbedingt einmal in einem zweiten Klosterroman beschreiben müsste, und zwar eingebettet in eine geheimnisvolle Handlung.

Wie diese Handlung auszusehen hatte, dieser Einfall kam eines Nachts, als ich durch den dunklen Kreuzgang wanderte, vor mir nur die kleinen roten Lichter an den vier Ecken. Es gibt dort eine alte Tür, die kurz vor dem Zugang in die Abteikirche rechter Hand zu einer Gruft führt, und aus dem oberen Teil des reichen Rankenschnitzwerks blickt einem ein Totenkopf mit zwei gekreuzten Knochen darunter an. Ich konnte ihn in der Dunkelheit nicht erkennen, aber ich wusste, daß er sich dort an der Tür befindet. Ob ich mir dessen in diesem Moment bewußt war, weiß ich nicht. Der Totenkopf brachte auch nicht den zündenden Funken, auch wenn er auf seine Art ein "hübsches" anregendes Detail ist, sondern das Wetter. Es war nämlich eine wolkenreiche und windige Novembernacht, und im Wechsel mit dem immer wieder kurz einfallenden Mondlicht in das Quadrum sah es so aus, als bewegten sich vor mir Schatten durch den Kreuzgang. In diesem Moment war die Idee geboren...